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<title>Computersicherheit - IT-Sicherheit als Prozess</title>
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<div class="wikitext"><h2>Auf dem Weg zur Sicherheit, IT-Sicherheit als Prozess</h2>
<p>Oft h&ouml;rt man, dass Sicherheit ein Prozess sei. Dem stimme ich ausdr&uuml;cklich zu, doch die Frage, die sich stellt ist: Was ist damit gemeint? Ich bin mir sehr sicher, dass dar&uuml;ber unterschiedliche Vorstellungen existieren und ich m&ouml;chte meine Vorstellung dar&uuml;ber verdeutlichen.</p>
<p>Die erste Frage, die sich stellt ist, was ist denn unter Sicherheit zu verstehen, wie kann ich Sicherheit begreifen? Sicherheit ist f&uuml;r viele Menschen schwierig zu fassen, es ist ein Begriff, der h&ouml;chst unterschiedlich interpretiert wird. Sicherheit ist eine Eigenschaft, soviel ist klar. Greifbarer wird der Begriff, wenn man die Fragen stellt:</p>
<ul>
<li>Wof&uuml;r brauche ich Sicherheit?</li>
<li>Wovor bin ich sicher?</li>
</ul>
<p>Sicherheit bietet Verl&auml;sslichkeit, d.h. man kann vertrauen, man wei&szlig;, wie etwas ist, dass bestimmte Dinge nicht passieren, bzw. dass Dinge auf jedenfall passieren. Sicherheit bietet Klarheit, man wei&szlig; von wem etwas kommt, wei&szlig; wie etwas funktioniert.</p>
<p>Sicherheit ist letztlich das, was jeder im allt&auml;glichen Leben st&auml;ndig braucht, man muss sich auf Dinge verlassen k&ouml;nnen. Wenn man in ein Auto einsteigt, erwartet man, dass der Benzintank nicht explodiert, das einwandfreies Fahren m&ouml;glich ist, dass sich die anderen Verkehrsteilnehmer einigerma&szlig;en an die Verkehrsregeln halten. Im Rechtsstaat verl&auml;sst man sich darauf, dass man nicht einfach erschossen wird auf der Stra&szlig;e, dass die Rechte einklagbar sind, dass Polizisten nicht willk&uuml;rlich handeln. Man verl&auml;sst sich darauf, dass Lebensmittel nicht vergiftet sind, dass aus der Steckdose Strom kommt usw.</p>
<p>Mit der IT-Sicherheit wollen wir erreichen, dass wir uns nicht t&auml;glich um diese bl&ouml;den blinkenden und piependen Kisten namens Computer, den verbindenden Netzwerken und den gespeicherten Daten Sorgen machen m&uuml;ssen. Die Computer und Netzwerke sollen Arbeitsmittel sein und einfach funktionieren. Wenn doch mal was ausf&auml;llt, sollen die Ausf&auml;lle keine gro&szlig;en Sch&auml;den anrichten, wir wollen und auf die Computer verlassen k&ouml;nnen. Die Gehaltslisten sollen nicht auf einmal verf&auml;lscht sein, die Bilanz sollte nur im gew&uuml;nschten Rahmen manipuliert sein, E-Mail verschicken sollte immer tun, unsere Interent-Telefonanlage sollte Telefongespr&auml;che zu jeder Zeit erm&ouml;glichen.</p>
<p>Was k&ouml;nnte z.B. die IT-Sicherheit gef&auml;hrden?</p>
<ul>
<li>Stromausf&auml;lle</li>
<li>Technische Defekte</li>
<li>Mitarbeiter, die unsachgem&auml;&szlig; mit den Ger&auml;ten umgehen</li>
<li>Mutwillige Zerst&ouml;rung</li>
<li>Feuer</li>
<li>Naturkatastrophen</li>
<li>Illoyale Mitarbeiter</li>
</ul>
<p>Wir merken, Sicherheit oder IT-Sicherheit ist etwas komplexes, es umfasst viele Dinge. Wir k&ouml;nnen nicht erwarten, dass wir uns vor allen Dingen sch&uuml;tzen k&ouml;nnen und wir k&ouml;nnen auch nicht erwarten, dass wir alle Dinge, die uns gef&auml;hrden k&ouml;nnen, zu jeder Zeit ausreichend w&uuml;rdigen. Desweiteren k&ouml;nnen wir wirklich nicht erwarten, dass wir uns die Hyper-Firewall-Intrusion-Detection-und-Prevention-Kiste in die Ecke stellen und dann sind wir sicher.</p> 

<p>Wir werden Fehler machen bei der Analyse, was uns gef&auml;hrden kann, wir werden Fehler machen bei der Analyse, wie wir den Gefahren begegnen k&ouml;nnen konzeptionell und wir werden Fehler bei der Umsetzung der Konzepte machen. Diese Feststellung ist extrem wichtig, wir werden Fehler machen. Wir k&ouml;nnen dar&uuml;ber lange klagen, besser w&auml;re aber dar&uuml;ber nachzudenken, wie wir damit bestm&ouml;glich umgehen. Zudem ver&auml;ndert sich gemeinerweise auch noch unsere Umwelt, neue Gefahren kommen hinzu, alte verschwinden, neue Konzepte werden erdacht, neue Techniken erhalten Einzug.</p>

<p>An dieser Stelle h&ouml;ren viele &Uuml;berlegungen auf, ich will einen weiteren Gedanken einf&uuml;hren. Wir haben es bei der IT-Sicherheit an ganz vielen Stellen mit Menschen zu tun, auch wenn sich der Begriff IT-Sicherheit nicht danach anh&ouml;rt. Menschen haben gewisse Freiheitsgrade im Umgang mit der Technik, die sie haben m&uuml;ssen (man kann &uuml;ber das Ma&szlig; im Einzelfall wohl diskutieren). Wenn ein Mitarbeiter z.B. Zugriff auf sensible Daten hat, dann kann er den Zugriff selbstverst&auml;ndlich missbrauchen. Es ist zwar eine Frage, wie schwer das ist elektronisch Daten hinauszuschmuggeln aus dem Unternehmen oder der Organisation, aber sp&auml;testens, wenn man sein Gehirn zur Speicherung benutzt und es zuhause niederschreibt, kann man realistisch gesehen technisch nichts mehr machen. Hinzu kommt, dass manche technische Sicherheitsmechanismen explizit nur funktionieren k&ouml;nnen, wenn die Menschen mitspielen wollen. Das sch&auml;rfste Skalpell n&uuml;tzt nichts, wenn der Chirurg doch lieber f&uuml;r Schnitte Hammer und Mei&szlig;el nimmt - manche Werkzeuge muss man verwenden wollen und den Umgang kennen, diese Entscheidung liegt beim Benutzer des Werkzeugs.</p>

<p>Wenn Menschen Sicherheitsmechanismen nicht akzeptieren, sind sie oftmals nutzlos oder kaum sinnvoll. Menschen kann man aber nicht programmieren darauf zu akzeptieren, ein guter Teil ist Einsicht und Freiwilligkeit, manchmal geh&ouml;rt auch Nachdruck der Vorgesetzten dazu.</p>

<p>Hier kommt der Prozess ins Spiel, wenn wir Probleme nicht endg&uuml;ltig l&ouml;sen k&ouml;nnen, muss es einen Vorgang geben, der sich mit der bestm&ouml;glichen L&ouml;sung zu jeder Zeit befasst. Dabei ist die bestm&ouml;gliche L&ouml;sung von Zeit zu Zeit wirklich unterschiedlich. Wenn Sicherheitsmechanismen akzeptiert werden m&uuml;ssen, bevor sie funktionieren, dann muss vor der Einf&uuml;hrung einer solchen Sicherheitsma&szlig;nahme auch Verst&auml;ndnis geschaffen und der Umgang mit den Werkzeugen geschult werden. Das braucht Zeit und auch Geld, d.h. man hat in vielerlei Hinsicht Prozesse vor sich:</p>

<ul>
<li>Prozess zur Anpassung an Ver&auml;nderungen</li>
<li>Prozess zur Fehlersuche und -behebung</li>
<li>Prozess zur Einbindung von Menschen in Sicherheitsma&szlig;nahmen</li>
<li>Prozess zur Schaffung von Loyalit&auml;t</li>
</ul>

<p>Jedes Sicherheitskonzept, was diese Prozesse nicht einbezieht, wird nicht nur L&uuml;cken haben, sondern Scheunentore enthalten. Damit werden Risiken unkalkulierbar, die Verl&auml;sslichkeit in die IT ist nicht mehr gegeben. Damit drohen automatisch finanzielle Sch&auml;den, die ebenso unkalkulierbar sind. Wer sich dagegen problemlos vorstellen kann, alle seine Daten zu ver&ouml;ffentlichen, alle Daten zu l&ouml;schen oder zu ver&auml;ndern und ohne Computer und Netzwerke sein Gesch&auml;ft f&uuml;hren kann, der brauch sich ziemlich wenig Sorgen machen - derjenige muss sich schlicht nicht auf Computer verlassen.</p>

<p>Wenn man sich jetzt fragt, wie man diese Prozesse im Unternehmen etablieren kann, dann ist ganz klar die erste Antwort: Die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung muss dies wollen und zwar ganz. Sie muss dies nicht nur wollen, nein sie muss die treibende Kraft sein und mit gutem Beispiel vorangehen wollen, Vorbild sein wollen.</p>

<p>Jeder System- und Netzwerkadministrator wird das kennen, der f&uuml;r die Absicherung zust&auml;ndig ist: Macht die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung nicht mit, ist man weitestgehend verloren. Alle Sicherheitsbeauftragte tun ihr bestes, um dennoch wenigstens ein St&uuml;ckchen Sicherheit zu erreichen, aber jeder wei&szlig; doch, dass man scheitert. Es ist ein Kampf, den man verliert und der Feind ist nicht der b&ouml;se Angreifer in China oder USA, sondern sitzt im B&uuml;ro nebenan und stellt den eigenen Gehaltsschecks aus. Den zu bek&auml;mpfen ist sinnlos und Ignoranten zu &uuml;berzeugen ist so einfach, wie den katholischen Papst zum Islam zu bekehren. Ich pers&ouml;nlich versuche so etwas nicht mehr, lernen durch Schmerz ist deutlich effektiver, als eine Predigt.</p>

<p>Jetzt ist es nat&uuml;rlich unverantwortlich allein der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung den schwarzen Peter zuzuschieben, wenn es nicht klappt. Denn unf&auml;hige Berater, schlechte Konzepte und noch schlechtere Umsetzungen werden schnell zur Motivationsbremse, das ist der erste Schritt zum letzten Schritt zum gro&szlig;en Ziel der IT-Sicherheit. Danach kommt nur noch nervenaufreibender Kampf und Herumdoktorn. Man kann guten Gewissens in einem solchen Fall sagen: der Patient ist tot, m&ouml;ge er in Frieden ruhen. Beim Kampf um Akzeptanz hat man oft nur eine Chance, die sollte man nutzen. Aber auch hier ist nat&uuml;rlich ein St&uuml;ck die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung gefragt gegenzusteuern, wenn was aus dem Ruder l&auml;uft, daf&uuml;r ist sie schlie&szlig;lich da.</p>

<p>Desweiteren sollte man IT-Sicherheit der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung auch richtig verkaufen. Neben Sachargumenten wie Kostenersparnis, Verl&auml;sslichkeit und Gesetzeskonformit&auml;t, hat Verkauf auch viel mit Emotionen zu tun, das nutzt die Werbung z.B. ganz bewusst. Ich pers&ouml;nlich habe schon diverse irrationale und teure Entscheidungen von Gesch&auml;ftsf&uuml;hrungen erlebt, weil das Angebot einfach die richtigen Emotionen weckte. Aus technischer Sicht waren die Entscheidungen einfach nur dumm, es wurden oft genug nicht einmal die eigenen Techniker dazu befragt. Cool sein und ein hohes Ansehen genie&szlig;en sind wichtige Dinge f&uuml;r Menschen, auch f&uuml;r Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer. Man sollte sich der Emotionen der Menschen bewusst sein und sie f&uuml;r gute Dinge nutzen.</p>

<p>Ich m&ouml;chte es nochmal betonen: wenn die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung nicht die treibende Kraft ist, sollte man es meiner Meinung nach nicht weiter versuchen IT-Sicherheit voranzubringen. Die Mitarbeiter k&ouml;nnen einen prima vor die Wand laufen lassen, wenn sie wissen, dass die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung nicht mitspielt. Die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung kann desweiteren durch ihre Entscheidungen alle Sicherheitskonzepte mit einem male wirkungslos machen. Ich hab das alles schon viel zu oft gesehen, es ist wirklich ein Trauerspiel. Meine Lehre ist, dass ich die Finger von IT-Sicherheit lasse, wenn die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung nicht Zugpferd sein will.</p>
<p>Fortsetzung folgt ...</p>
</div>

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